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Autor Thema: Bucolo Antonino - Meister der Steine  (Gelesen 1576 mal)
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chris
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« am: 02. Juli 2009, 06:07:17 »

Vor 15 Jahren etwa hatte ich über meinen Stiefvater das Vergnügen, einen sizilianischen Naturkundigen und Künstler kennen zu lernen: "Nino Lungo" rufen ihn seine Freunde - einfach aufgrund der Tatsache, dass er sehr groß gewachsen ist, besonders für einen Sizilianer. Sein vollständiger Name lautet: Bucolo Antonino

Demnächst wird er sich auch auf unserer entstehenden italienischen Website näher vorstellen, denn ich darf mit Stolz verkünden, dass er mit dabei ist, im "EAeV-Team-Siciliano" !

Zuvor möchte ich hier über seine Kunst sprechen. Dies war mir schon lange ein großes Bedürfnis, doch Nino hat ebenso lange gezögert. Er ist keiner von denen, die unbedingt ins Rampenlicht wollen - im Gegenteil. Er möchte einfach nur an seinen Kunstwerken arbeiten. Ein richtiger Künstler eben. In den drei Wochen, wo ich immer wieder in Falcone (dort wohnt er) und auf Tindari (dort arbeitet er) war, konnte ich lange und gute Gespräche mit ihm führen. (Auch philosophieren lässt es sich gut mit ihm.) Und so habe ich endlich sein Einverständnis erhalten, einen kleinen Auszug seiner Kunst hier zu präsentieren.


Bucolo Antonino

Geboren am 01.02.1962 in Falcone (Sizilien).

Wenn man ihn fragt, was ihn auszeichnet, was er von Beruf ist, so erhällt man die Antwort:
"Ich bin Mensch, Maler, Zeichner, Steinhauer, Erfinder, Musiker, Dichter, autodidaktischer Innenarchitekt, Dekorateur und Steinjuwelier ...und am Ende alles und nichts, so wie meine Steine - wieder Staub."

Chris: "Was ist für dich Kunst?"
Nino: "Die Kunst sieht man, wo man nicht schaut."

Damit meint er, dass die Kunst überall liegt, meist im Verborgenen, man sieht sie nur, wenn man offen dafür ist.
- Man sieht sie nicht, wenn man nach Kunst sucht. Kunst lässt sich nicht klassifizieren. Kunst ist.

Genug der Worte, nun könnt ihr selber seine Kunst sehen und / oder nicht schauen: Zwinkernd


Hier ist der Künstler bei der Arbeit. Jeden Morgen begibt er sich auf den heiligen Berg von Tindari
und sieht durch das bezaubernde Panorama die Kunst.


Anschließend kocht er sich - und seinen Gästen - wie es sich für einen Sizilianer gehört einen Kaffe.


Hier seht ihr ihn dann auch schon an seinem Arbeitsplatz. Etwas abseits von der Kirche Tindaris,
abseits von den billigen Ständen, wo die 0815-Touris sich billige Plastik-Andenken kaufen können.


Nach dem Kaffe geht er an sein Werk...



Und nun zu seinem Schmuckstücken:
















Auch Ringe und Ohrringe fertigt er mit künstlerischem Geschick an.






"Die Handarbeit und Originalität machen aus jedem Stein ein Einzelstück.
Mit Liebe und Vorsicht gehauen, bringe ich die versteckte Seele des Steines ans Licht.
Der Stein, der selbst schon voll Kraft und Energie ist durch seine alte Natur,
wird wieder geboren durch die Kunst, um sein tausendjähriges Gehen fortzusetzen.
Nicht mehr getreten sondern getragen als Talisman oder Juwel - seines Alters wert."

Bucolo Antonino


Die Schmuckstücke, die Nino macht kann man natürlich mit einer kleinen Digitalkamera nicht wirklich festhalten. Man muss sie schon live bewundern. In den Händen halten. Es sind nicht nur einzigartige Schmuckstücke, von ihm mit Sorgfalt ausgesuchte Steine Siziliens, es sind auch Handschmeichler. Sie fühlen sich fein an und lassen sich gut tragen.

Manchmal sagen Leute: "Dass sind ja nur Steine, die kann ja jeder aufsammeln und bearbeiten." Doch da irren sie. Bei weitem nicht jeder Stein ist geeignet. Man muss sehen, was in dem Stein steckt. Bucolo Antonino ist Meister seines Fachs. Seit über dreizehn Jahren geht er seiner Leidenschaft, der Stein-Kunst, nach. Er sieht sofort, ob ein Stein weich oder hart ist, ob er sich gut bearbeiten lässt oder nicht und zu was er sich formen lassen möchte, bzw. was man anstellen muss, um seine wahre Gestalt auch für andere zu offenbaren. Er weiß auch, welche Materialien der Stein enthält. Ob Kupfer, Eisenerze, Quarze, ...Silber, Gold oder Titanium. Bucolo Antonino kennt die Steine. Wenn ich ihm so bei der Arbeit zusehe, ob oben auf Tindari beim bearbeiten der Steine, oder an den Stränden Siziliens auf der Suche nach neuen Kandidaten, dann bekomme ich den Eindruck, er spricht mit den Steinen - und die Steine sprechen mit ihm. Für mich ist er der Meister der Steine.

Wenn ich könnte, ich würde sofort ein Nino-Museum aufbauen.  45

Doch Bucolo Antonino ist nicht nur talentiert im Bearbeiten von Steinen, er ist wie eingangs schon erwähnt u.a. auch ein begnadeter Maler und Zeichner. Sein Hausflur ist eine Galerie. Vielleicht darf ich euch einen Auszug seiner Bilder beim nächsten Mal zeigen. Diesmal habe ich "nur" eine von ihm gezeichnete Postkarte der "heiligen schwarzen Madonna von Tindari":



Auch einer der ehrwürdigen Priester, die auf Tindari Gott näher sind als anderswo,

begrüßt ihn jeden Morgen mit: "La grande Artista." ("Der große Künstler")

Über die gestalterische Kunst hinaus ist Nino auch handwerklich begabt. So war er jahrelang Maler. Man nannte ihn auch "Der Maler von der stillen Hand" da er sich nicht hetzen ließ, nicht auf die Zeit achtete sondern stets der Kunst der Vorrang gab. Weshalb seine Auftragsgeber ihn bald keine einfachen Wände sondern kunstvolle Wandgemälde anfertigen ließen. Doch zurück zum einfacheren Handwerk, er hat sich auch selbst Schuhe angefertigt. Nicht in erster Linie um Geld zu sparen, einfach um etwas qualitatives herzustellen, etwas dass nicht sofort kaputt geht. Und wenn sie nach langem Tragen und weitem Wandern einmal ein Loch haben, dann richtet er sie selbst.

Zudem haben sie einen von ihm erfundenen Verschluss, den auch ein einarmiger Freund von ihm bedienen kann. So kann dieser endlich Schuhe tragen und selbst anziehen, die keinen Klettverschluss haben.

Bucolo Antonino hat noch weitaus mehr Erfindungen für den Alltag entworfen. Diese kann ich allerdings an dieser Stelle nicht verraten. Vielleicht zeigt er euch die eine oder andere ja bei Gelegenheit auf Sizilien. Zwinkernd

Was ich noch verraten kann, ja was kein Geheimnis ist, er schreibt auch Kurzgeschichten, nette, lustige nachdenkliche sowie Witze, welche die Gesellschaft wiederspiegeln ...und zuguterletzt musiziert er auch.


...und zwischendurch siniert er wieder über neue Kunstwerke.
 Lächelnd


Also, wenn ihr mal auf Sizilien seid, dann ist Tindari auf jeden Fall ein Besuch Wert! Nicht nur, aber auch wegen Bucolo Antonino.

Gruß, Chris
« Letzte Änderung: 11. August 2009, 07:16:36 von chris » Gespeichert

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chris
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« Antworten #1 am: 29. Juli 2011, 11:01:33 »

Vor gut einem Jahr bin ich auf meinem Drahtesel von Deutschland nach Sizilien ausgeritten - am siebten August jährt sich nun auch mein Abenteuerleben auf der sonnigen Insel. Nach wie vor leisten wir auf unserem Selbstversorgerhof mit Meerblick Pionierarbeit. Schweißtreibende doch erfüllende Pionierarbeit. Auch wenn die Arbeit Freude bereitet, das Freizeitvergnügen darf auch nicht zu kurz kommen, so verbringen wir regelmäßig die Wochenenden am einsamen Strand, wo wir neben Sonne tanken und erfrischenden Abkühlungen im Meer auch schöne Steine am Strand finden. Stein, die Nino dann noch mehr zum Erstrahlen bringt. - D.h. von den gefundenen Steinen eignen sich nur wenige, das sieht der Künstler - nach jahrzehntelanger Erfahrung - sofort. Nur die welche ihn ansprechen kommen in seine Schatztruhe. Wenn er seinen Stand etwa bei Tindari aufbaut kommen sie von Zeit zu Zeit heraus, er dreht und wendet sie bis in seinem inneren Auge ein Bild entsteht wie sie am besten zur Geltung kommen. - Dann geht der Meister der Steine ans Werk.




Nun, ich erwähnte bereits das Nino nicht nur die Steinkunst beherrscht, heute kann ich euch endlich ein paar weitere Kunstwerke von ihm zeigen. Die Gemälde selbst hat er mich zwar noch nicht ablichten lassen, doch nun immerhin schon einmal weitere seiner Postkarten - welche seine Gemälde zeigen:















Das letzte Bild kennt ihr ja bereits. - Leider sind die Bilder nicht ganz scharf.
Bessere Fotos von weiteren Kunstwerken folgen, doch am besten folgt ihr! 43

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